Greifstachler – Einer der 12 Arten vom Baumstachler

Stachler beim FressenDer Greifstachler ist ein Verwandter vom Nagetier Stachelschwein. Genauer gesagt ist der Greifstachler einer der 12 Arten vom Baumstachler, der in großen Teilen von Nordamerika und Südamerika beheimatet ist. Die Besonderheit beim Greifstachler ist der ausgebildete Greifschwanz, der es ihm ermöglicht eine bessere Balance beim Klettern zu gewährleisten. Beim Klettern wird der Schwanz von oben nach unten um die Äste gerollt. Die großen Krallen, die sich vorne, sowie auch an den hinteren Greiforganen befinden, sind leicht gebogen und bieten zusätzlichen Halt für den Greifstachler. Die Klettergeschwindigkeit des Greifstachlers ist eher behäbig, aber durch die fünf Greiforgane äußerst sicher.

FAKTEN: Greifstachler 
Lebensraum vom GreifstachlerOrdnung: Rodentia
Familie: Erethizontidae
4 Gattungen
Verbreitung: Süd-Panama, Anden von Nord-West Kolumbien bis Nord-Argentinien und Nordwest-Brasilien
Lebensraum: Waldgebiete
Körper: Körperlänge bis zu 50 cm mit einem Gewicht von ca. 5 Kg
Nahrung: Blätter, Zweige, Beeren, Nüsse, Früchte, Gräser aber auch Insekten und kleine Reptilien
Beispielsarten: C. prehensillies, C. bicolor, C. koopmani und C. rothschildi

Die besondere Anatomie einiger Arten

Einige Gattungen besitzen noch weitere Körpermerkmale die das Kletterverhalten für das Tier stärken. Unter anderem sind beim Südamerikanischen Baumstachler aber auch beim Greifstachler die innere Zehe an den Hinterfüßen kleiner, als bei den übrigen Arten. Die Zehe ist zudem direkt in die Sohlenfläche integriert. Dieses gewährleistet einen festeren und weitreichenden Griff. Der Schwanz des Greifstachlers ist mit neun Prozent des Körpergewichts besonders ausgeprägt. Die Hälfte des Gewichts machen alleine die Muskelfasern aus. Im Allgemeinen sind die Baumstachler sehr kurzsichtige Tiere, verfügen zum Ausgleich jedoch über ein ausgezeichnetes Hörvermögen und ein guten Tast- und Geruchssinn. Das Gehirn ist zum Verhältnis des Körpers überdurchschnittlich groß, was wiederum für ein gutes Gedächtnis sorgt. Das Fressverhalten des Greifstachlers ist identisch mit dem des Wollgreifstachlers, sie fressen vorwiegend Blätter. Sie mögen aber auch zarte Stängel, Samen, Wurzeln, Früchte, Knollen aber machen auch vor kleinen Insekten bzw. kleine Reptilien machen keinen Halt.

Das Sozialverhalten der Greifstachler

Die unterschiedlichen Arten der Baumstachler sind in unterschiedlichen Lebensräumen zu Haus. Die Art »Urson« lebt zum Beispiel auf Bäumen und am Boden. Der Greifstachler aber auch der Südamerikanische Baumstachler halten sich fast ausschließlich in Bäumen auf und verbringen dort den Großteil ihres Lebens. Nur zum Fressen oder um auf einem anderen Baum zu gelangen, verlassen diese Tiere die Bäume und begeben sich dafür auf dem Boden. Die Tragzeit eines Greifstachlers dauert rund 210 Tage. Sowohl die Ursons als auch der Greifstachler bringen im Regelfall ein Junges zur Welt. Bei diesen beiden Arten kommt es kaum zu Zwillingsgeburten. Ein neugeborener Greifstachler wiegt etwa 400 Gramm und erreicht im erwachsenen Stadium ein Gewicht von etwa 5 Kg Gramm. Alle Arten gebären ihre Jungen mit geöffneten Augen und können sofort laufen. Der Verteidigungssinn jedes einzelnen Jungen ist bereits von Beginn an ausgeprägt, sodass es nach wenigen Tagen bereits die Fähigkeit besitzt sich im Ernstfall auf den nächsten Baum in Sicherheit zu bringen. Die Sterblichkeitsrate ist bei den Jungen dadurch relativ niedrig. Die Wachstumsphase dauert ca. drei bis vier Jahre, bis der Greifstahler eine Größe von etwa 30 cm – 50 cm erreicht hat.

Großes Revier für ein kleines Tier

Baumstachler sind im Allgemeinen nachtaktive Tiere und erforschen bzw. erweitern ihr Revier in der Nacht. Die Reviergröße des Greifstachlers beträgt zwischen acht bis 38 ha. Grundfläche. Während der nächtlichen Wanderung legen die Tiere in der Regel Strecken von 200 – 400 Metern zurück. Aber auch Entfernungen von bis zu 700 Metern wurden bereits nachgewiesen. In Südguyana ist die Population des Baumstachlers mit am höchsten. Auf jedem Quadratkilometer leben zwischen 50 und 100 Greifstachler. Gemäß einigen Untersuchungen sind die männlichen Tiere deutlich nachtaktiver als ihre weiblichen Artgenossen. Diese legen in der Nacht nur 25 Prozent der Strecke zurück, wie es ihre männlichen Artgenossen machen. Tagsüber ziehen sich die Stachler in Bäumen zurück und liegen dafür oft auf einem horizontalen Ast der eine Höhe von sechs bis zehn Meter aufweist.

Sind die Tiere eine bedrohte Tierart?

Der Baumstachler im Allgemeinen gilt nicht als bedrohte Tierart. Im Gegenteil, in Nordamerika wurde extra in einigen Gegenden eine bestimmte Marderart ausgesetzt, die den Urson als Beute angreifen soll. Der Urson stellt in einigen Regionen eine regelrechte Plage dar und verwüstet ganze Wälder. Seit Einführung der Marder konnte die Anzahl der Ursons in diesen Gegenden um 76 Prozent gesenkt werden. Die Marder sind darauf spezialisiert den Baumstachler von unten anzugreifen um sich vor den harten Spitzen zu schützen.

Greifstachler sind mehr vom Menschen bedroht als von natürlichen Fressfeinden. Diese Art wird oft als Versuchstier in Labors eingesetzt, sind aber vor allem am Schwund ihrer Lebensräume bedroht. Besonders in Brasilien an der Atlantikküste fallen jedes Jahr hunderte Hektar Waldflächen der Holzindustrie zum Opfer. Zum Leidwesen der Tiere, diese finden immer weniger Rückzugsgebiete, um sich ausbreiten zu können. Einzig die Art der Gattung Sphigurus in Paraguay stehen bereits auf der Liste der bedrohten Tierarten, wie die brasilianische Wissenschaftsakademie bekannt gibt. Eine Art der Baumstachler ist bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ausgestorben. Diese war in der Karibik beheimatet und hieß Sphiggurus pallidus.

Welcher Zoo beherbergt einen Greifstachler?

In Deutschland gibt es lediglich ein zoologischer Garten, sowie ein Tierpark, die einen Greifstachler beherbergen und pflegen. Einmal der Tierpark Donnersberg in Rockenhausen und zum anderen der Zoo Frankfurt. Während der Gefangenschaft werden die Greifstachler gegenüber ihrem Pfleger sehr zahm. Im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma wurden die Stachler zudem von 1988 – 2015 als Pfleglinge betreut und der Zoo konnte sich während dieser Zeit mehrfach über Nachwuchs der Greifstachler in Gefangenschaft freuen. Im Jahr 2015 wurden die Greifstachler abgegeben. Weitere Informationen zum Tierpark Donnersberg sowie dem Zoo Frankfurt finden sie auf deren Internetseiten.

Fakten: Zum Baumstachler 
Baumstachler - LebensraumOrdnung: Rodentia
Familie: Erethizontidae
12 Arten in 4 Gattungen
Verbreitung: Nord-Amerika (außer im Südosten der USA) Süd-Mexico, Mittel-Amerika und nördliches Süd-Amerika
Lebensraum: Wald, offenes Grasland, Wüste und Schluchten
Körper: Spitze Stacheln mit kleinen Widerhaken. Jeder Stachel wächst einzeln aus der Haut.
Nahrung: Nadeln von Nadelbäumen Borke, Blätter, Zweige, Beeren, Nüsse, Früchte, Gräser; einige der 12 Arten Arten fressen Insekten und kleine Reptilien
Beispielsarten: Greifstachler, Südamerikanischer Baumstachler, Urson und Bergstachler

Familiäre Aufstellung der Erethizontidae

Wie oben bereits zu sehen ist, besteht die Baumstachler Familie aus 12 Arten die wiederum in 4 Gattungen unterteilt wurden. Zur einfacheren Übersicht werden diese nun aufgelistet.

    1. Gattung Coendou
      1. Coendou bicolor (Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien)
      2. Coendou koopmani (Ausschließlich in Brasilien)
      3. Coendou prehensillis (Eigentlicher Greifstachler; Ost-Venezuela, Bergland von Guyana, Zentral und Ost-Brasilien, Bolivien und Trinidad)
      4. Coendou rothschildi (Ausschließlich in Panama beheimatet)
    2. Gattung Echinoprocta
      1. Echinoprocta rufescens (Bergstachler; Ost-Anden in West-Kolumbien)

       

    3. Gattung Erethizon
      1. Erethizon dorsatum Urson (Nordamerikanischer Baumstachler; Zentral Alaska (USA) bis Labrador und südlichem Hudson Bay, Süd-Ost Tennesee, Zentral-Iowa und Zentral-Texas, Nord-Mexiko und Teile von Kalifornien)

 

  1. Gattung Sphiggurus
    1. Sphiggurus insidiosus (Wolliger Greifstachler; Ost-Brasilien und Amazonien)
    2. Sphiggurus mexicanus (Mexikanischer Baumstachler; San Luis Potosi und Halbinsel Yucatan bis West-Panama)
    3. Sphiggurus pallidus (Ausgestorben; früher West-Indische Inseln)
    4. Sphiggurus spinosus (Südamerikanischer Baumstachler; Süd- und Ost-Brasilien, Paraguay, Nord-Argentinien und Uruguay)
    5. Sphiggurus vestitus (Kolumbien und West-Venezuela)
    6. Sphiggurus villosus (Minas Gerais bis Rio Grande do Sul)